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Gemeinfreitag (4): Der Heimatatlas

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Das heutige aus der Public Domain stammende Stück kenne ich aus meinem Job im Forschungsprojekt „Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus“, in dem ich bis Ende November 2015 für den Public History-Bereich teilzuständig war. Auf der zugehörigen Projekthomepage wurden und werden in unregelmäßigen Abständen Quellen im Volltext veröffentlicht, zu denen auch dieser Atlas gehört.

Der Atlas wurde von dem überzeugten Nationalsozialisten Karl Gärtner erstellt, einem Lehrer und Ministerialrat. In den 1930er Jahren sammelte er umfassendes Material von badischen Landesämtern, Forschungseinrichtungen und Ministerien, um diesen Atlas als Schulmaterial herauszugeben. Größtenteils ist er nicht ideologisch gefärbt, einige Seiten sind allerdings eindeutige NS-Propaganda – so zum Beispiel Seite 43, „Baden unter dem Versailler Diktat“.

Karl Gärtner selbst starb im November 1944 in Straßburg. Bei der Ankunft der amerikanischen Truppen, so zumindest die offizielle Version, floh er nicht wie zahlreiche NS-Größen aus der Stadt Richtung Baden, sondern lieferte sich ein Feuergefecht mit heranrückenden Panzerbesatzungen, bei dem er tödlich verwundet wurde. Sein Todestag wurde auf den 26. November festgesetzt, weshalb sein Atlas nun seit über einem Jahr gemeinfrei ist.

Quelle: ns-ministerien-bw.de [PDF-Datei mit 300 dpi]

Die Reihe „Gemeinfreitag“ stellt jede Woche ein Fundstück aus der Public Domain vor. Ich freue mich, dass nunmehr auch Michael dem Reiz der Gemeinfreiheit verfallen ist.