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#seeschlachtplag zu und alle Fragen…

Der Verlag C.H. Beck, der ohne den Vornamen „altehrwürdig“ so selten auskommt wie weiland Mehdorn ohne „Bahnchef“ hat eine Pressemitteilung herausgegeben (PDF), aus der ein pofallascher Wunsch nach Beendigung der Dinge spricht. Aber, wenn schon die Überschrift arg bemüht  Brecht zitiert, bleiben Fragen offen. Dementsprechend hier Gedankenfragmente Teil III zu #seeschlachtplag:

1. Arne Janning hat übertrieben. Das war eigentlich recht bald deutlich, und er hat den Fehler gemacht es in dieser Vehemenz öffentlich zu tun. Seine zu erwartenden rechtlichen Probleme erwachsen dabei aus einer Formulierung („vollständig zusammenkopiert“) und einer Behauptung (DFG-finanziert), die nicht haltbar sind. Das ist ärgerlich für ihn wie auch für sein lobenswertes Ansinnen, der deutschsprachigen Wissenschaft mehr Reinlichkeit zukommen zu lassen.

2. Der Verlag hat wahnsinnig schnell gearbeitet und dabei deutlich mehr übernommene Textstellen gefunden als ich vermutet hätte – darunter den in der Diskussion bislang völlig neuen Aufsatz „Mythos Trafalgar“ von Thomas Siebe. Damit weitet sich der Skandal über Wikipedia hinaus aus. Ich habe gleichzeitig gemerkt, dass ich offenbar kein besonders guter Plagiatsdetektiv bin, denn viel von dem was gefunden wurde habe ich überlesen. Gleichzeitig ist die Frage, wieviel C. H. Beck selbst übersehen hat.

3. Was der Verlag vollkommen ausspart und damit ein entscheidendes, auch juristisch hoch relevantes Detail komplett aus der Diskussion nimmt, ist die rechtswidrige Übernahme eines Wikipedia-Fotos ohne Namensnennung des Urhebers. Wie schon zuvor gesagt: Eine simple Nennung im Bildnachweis-Anhang hätte den Bedingungen genügt, aber das war für die Autoren offenbar nicht machbar; somit haben sie eindeutig das Urheberrecht verletzt und, nimmt man Verlagsduktus zu Hilfe, eine Raubkopie in ihrem Buch untergebracht.

4. Abseits von der juristischen Dimension ist diese Übernahme ist diese meines Erachtens auch ein besonders krasser Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten. Die Autoren haben hier auf einer viel konkreteren Ebene als bei Erläuterungen von Rumpfgeschwindigkeiten geistiges Eigentum ohne Weiteres in ihren Besitz überführt. Diese feindliche Übernahme, die mit einem kleinen Hinweis zu legalisieren gewesen wäre, signalisiert dabei mangelnde Achtung vor der Schöpfung anderer. Ich bin mir nicht sicher, wie ich als Student meinem Professor Rader in Zukunft gegenüber treten würde.

5. Das Angebot von C. H. Beck,sich an einer Diskussion über Wikipedia in der Wissenschaft zu beteiligen, ist zu begrüßen. Dazu würde allerdings meines Erachtens auch materieller Aufwand zählen, das heißt Diskussionen und Workshops, die allerdings nicht die ausgetretenen Pfade der immer gleichen Wissenschaftler geht, sondern unten ansetzt, bei denen, die mit Wikipedia schon in der Universität aufgewachsen sind. Denn wenn sich Rader zitieren lässt, früher habe man den Brockhaus benutzt und nun halt Wikipedia, dann ist das Ausdruck eines nicht digital-nativen Denkmusters und zudem ein äußerst schiefer Vergleich. Wikipedia ist in einigem weniger als der Brockhaus und in vielem deutlich mehr.

3 Kommentare

  1. Arne Janning

    Herzlichen Dank für Deinen Beitrag.

    zu Frage 2: Wieviel hat Beck übersehen? Beck hat Plagiatserkennungssoftware benutzt. Zu deren Tauglichkeit und damit auch zur Aussagekraft der Prozentzahlen in Becks Pressemeldung siehe Debora Weber-Wulff und Katrin Köhler: http://www.heise.de/ix/artikel/Kopienjaeger-1245288.html

    Herzliche Grüße

    Arne Janning

  2. Pingback: #RaderGate: Verantwortlichkeiten und Synopsen | Erbloggtes

  3. Pingback: Öffentliche (See-)Schlachten? | HistoLog

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