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„Diplomatenjagd“: Daniel Koerfer und „Das Amt“.

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich der Kommentarschreiber bei WELT Online freut sich das patriotische Herz wund: Drei Jahre nach „Das Amt und die Vergangenheit“ rückt ein rechtschaffener Historiker das Bild des Auswärtigen Amtes im Dritten Reich wieder zurecht, rehabilitiert die damaligen Beteiligten und stellt am Ende auch noch fest: Joschka Fischer ist schuld! Großartig.

Es geht hier im Daniel Koerfer, der kürzlich ein Buch namens „Diplomatenjagd“ (drunter ging es natürlich nicht) veröffentlichte und vorstellte, was die „Welt“ begierig aufgriff. Aus unerfindlichen Gründen gehen zahlreiche Journalisten jetzt davon aus, dass „Das Amt“ ein Standardwerk und Konsens wäre und nun erstmals eine Entgegnung statt finde.

Natürlich ist das Gegenteil der Fall. Nachdem „Das Amt“ 2010 veröffentlicht wurde, vergruben es insbesondere Journalisten unter überschwänglichem, eindrucksvollem Lob. Die Historiker waren da nicht so freundlich – die Kritik, die durchaus fundiert und sachlich vorgetragen wurde, dauerte Monate, und mit einigem Recht ist die Vorgehensweise der Amt-Historikerkommission bis heute eher ein abschreckendes Beispiel dafür, wie mit solchen Auftragsarbeiten umgegangen werden solle.1

Doch von vorne, und ganz vorneweg: Ich habe Koerfers Buch nicht gelesen. Ich habe schlicht nicht das Geld dafür, hole es aber gerne nach, wenn falls es in meinen hiesigen Bibliotheken steht. Die Kernthese von „Diplomatenjagd“ ist, soweit das der Presse zu entnehmen ist, dass Joschka Fischer die Kommission einsetzte, um sich an der Belegschaft seines Ministeriums für die Visa-Affäre zu rächen. Belegt wird das mit Stellen aus Fischers Memoiren, die sich tatsächlich so lesen lassen:

Plötzlich stand ich in einem Kulturkampf 1938 gegen 1968. Da habe ich allerdings gesagt: Ja, wenn ihr den wollt, Freunde, dann könnt ihr den haben. Als dann die Visa-Affäre hochkochte, ging’s richtig los. Da dachten die wohl, jetzt haben wir ihn. Ohne die ganze Visa-Affäre hätte die Frage der Nachrufe wohl niemals eine solche Wirkung entfaltet. Das habe ich mir alles ein Weilchen angeguckt, dann hatte ich die Faxen dicke und habe diese Kommissionsidee ausgebrütet.

Das Argument ist aber auf ganz viele verschiedene Arten untauglich und eines Historikers nicht würdig. Dass es einen solchen „Kulturkampf“ im Auswärtigen Amt gab, ist unstrittig. Koerfer suggeriert mit diesem Zitat allerdings, dass die „Aggression“ von Fischer ausgegangen wäre – tatsächlich war der Streit um die Nachrufpraxis in der Mitarbeiterzeitschrift überfällig, und dass er erst durch Fischer begonnen worde dürfte eher daran liegen, dass die vorherigen Amtsinhaber weder Interesse an Streit noch an allzuviel innerer Aufarbeitung hatten.

Viel frappierender ist aber, dass Koerfer ohne jeden Zweifel davon ausgeht, dass eine Kommission von renommierten Historikern bereit war, sich von Joschka Fischer eine Auftragsarbeit mit vorneweg stehendem Ergebnis diktieren zu lassen. Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht von einigen Doktoranden, sondern von Professoren mit wissenschaftlichen Meriten. Wenn Koerfer ein Kapitel mit „Hitlers willige Diplomaten im Visier von Fischers willigen Historikern“ überschreibt, kratzt er mindestens an der Grenze zur üblen Nachrede. Umso absurder wird dies dadurch, dass ursprünglich neben Conze, Frei und co auch Klaus Hildebrand aus Bonn zur Kommission gehörte, jedoch bald durch seine Erkrankung ausschied – hätte Fischer eine 68er-links-grüne Tendenzarbeit oder „politische Auftragsforschung“ verlangt, er hätte sicher nicht einen der profiliertesten nationalkonservativen Historiker der Bundesrepublik berufen.

Man kann davon ausgehen, dass es mit dem Buch nicht so weit her ist, wie nun Welt, Rheinische Post und co suggerieren. Wenn der Tagesspiegel den Verlag „Strauss Edition“ nicht als „erste Adresse für Zeitgeschichte“ bezeichnet, ist das eine sehr höfliche Untertreibung. Und auch den „Professor an der FU Berlin“ kann man relativieren, wenn man sich Koerfers Weg zur Honorarprofessur mit einigen hagiographischen Veröffentlichungen zu Ludwig Erhard und zu Hertha BSC im Dritten Reich einmal ansieht.

Vielleicht liegt Koerfers Interesse am Thema tatsächlich schlicht in seiner familiären Bindung an das Auswärtige Amt begründet. Mehrfach hat er in Interviews beklagt, dass die Rolle seines Großvaters Gerhart Feine (der tatsächlich zahlreiche Juden vor dem Transport in die Vernichtungslager bewahrte) nicht genügend gewürdigt worden wäre. Dass dieser ein eigenes Kapitel im Buch hat, reicht offenbar nicht aus. Und dass Koerfers Patenonkel Hellmut Becker eher schlecht wegkommt, weil er als Anwalt nach dem Krieg Mandate für Mitwisser und Täter des Holocaust übernahm, ist ihm auch unverständlich. Aber vielleicht sind solche Urteile auch schwer nachvollziehbar, wenn das eigene Familienvermögen zumindest bis zur Enteignung in der DDR durch eine besonders einträgliche „Arisierung“ gemehrt wurde: Daniel Koerfers Vater Jacques kaufte am 24. Oktober 1938 die Garbaty-Tabakfabrik in Berlin inklusive ihrer Grundstücke für 7,7 Millionen Reichsmark, obwohl ihr Schätzwert (ein Jahr zuvor) bei 31,6 Millionen RM gelegen hatte.

Letztendlich ist Daniel Koerfer ein relativ üblicher Mitbürger, der sich aus familiären Gründen (und jenen, die im Feuilleton und Fachzeitschriften lesbar waren) über ein Buch geärgert hat, über dessen Auftraggeber (Koerfer selbst beklagt ja immer, dass reichen Erben wie ihm in Deutschland zuviele Steuern auferlegt werden und erwägt gerne die Auswanderung in die Schweiz) und die Autoren. Nur, dass er als Freizeitvergnügen für den Mann, der schon alles hat, den Titel eines Honorarprofessors tragen kann, und ihm damit mehr Gewicht zugeschrieben wird.


  1. Eine sehr schöne Aufbereitung der Debatte findet sich hier: http://www.zeitgeschichte-online.de/themen/die-debatte-um-das-amt-und-die-vergangenheit 

13 Kommentare

  1. Ah, das ist es also, was mich am Welt-Artikel gestört hat – die persönliche Verbindung des Autorens ins Amt hätte transparent gemacht werden müssen. Ich finde auch diesen Korpsgeist im Amt erstaunlich. Aus dem Artikel:

    „Die Namen, die im Zusammenhang mit diesen Schandtaten (der Umsetzung der Politik des Rassenwahns, t. s.) immer wieder fallen und fallen müssen, … sind allesamt Seiteneinsteiger. Ich halte es für ausgemacht fragwürdig, solche fanatisch-ehrgeizigen Nationalsozialisten, die ohne jede diplomatische Schulung, geschweige denn eine langjährige Attaché-Ausbildung nur für ein paar Jahre einen diplomatischen Rang samt Diplomatenpass besaßen, durchweg dem AA zuzurechnen, wie es im Kommissionsbericht allenthalben geschieht.“

    Kurz: Das Schlimme machen die Nazis und die Nazis gehören nicht zu uns. Und bei dieser Passage weiß ich gar nicht, was ich dazu schreiben soll:

    „Er sei an etwa 900 Todesurteilen beteiligt gewesen, schrieb Joschka Fischer 2011 in seinen Erinnerungen. Auch hier liegen die Dinge komplizierter. Nüßlein – ein gläubiger Katholik, der in internen Berichten seiner regelmäßigen Gottesdienstbesuche wegen als politisch unzuverlässig bezeichnet wurde – war von 1940 bis 1945 als Staatsanwalt und später Oberstaatsanwalt tätig. Und in der Tat gingen Todesurteile über seinen Tisch. Es lag aber nicht in seinem Ermessen, sie zu revidieren.

    Nüßlein hat kein einziges Todesurteil gefällt, kein einziges aktiv bestätigt. Dafür ist es ihm nachweisbar gelungen, die Vollstreckung von insgesamt 16 Todesurteilen gegen meist tschechische Bürger zu verhindern und Begnadigungen zu erreichen. Nüßlein wird damit nicht zu einem Mann des Widerstands – er ist aber auch nicht die NS-Bestie gewesen, als die ihn etwa in den 1960er-Jahren eines der DDR-Braunbücher darstellte. Dass einer wie er, der Menschenleben gerettet hatte, später in den deutschen diplomatischen Dienst aufgenommen wurde, hat nichts Tadelnswertes.“

    Erstaunlich, wie der Autor hier über die anderen 884 Todesurteile hinweggeht. Als NS-Historiker müsste er auch wissen, dass diese Argumentation, einige geschützt zu haben, nicht greifen kann. Selbst Hitler höchstpersönlich hat Juden vor der Verfolgung geschützt und ihm kann man nun wirklich keine Regimegegnerschaft unterstellen.

  2. Die Diskussion über die NS-Vergangenheit ist emotional geladen. Aber Koerfer hat die Schwarz Weiß Malerei von Fischers HIstorikerkommission etwas gerader gerückt. Wir müssen heute beide Teile Deutschlands im Kalten Krieg sehen, das AA in Bonn und in OSt Berlin. Beide wollten die Besten in der Vergangenheitsbewältigung sein. Also prüfen wir es doch nach

  3. Schwarz-Weiß-Malerei wird nicht besser, wenn man dem ganzen ein schwarz-graues Bild entgegensetzt. Es ist auch nicht „Fischers Historikerkommission“, sondern die Historikerkommission des Auswärtigen Amtes. Ihre personelle Besetzung ist grüner Parteinähe gänzlich unverdächtig, und ihre Arbeit fand während der SPD- und FDP-Führung des Ministeriums statt.

    Was das mit dem Kalten Krieg zu tun hat, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Vor allem wollte das Auswärtige Amt während des Kalten Krieges mit Sicherheit nicht der „Beste in der Vergangenheitsbewältigung“ sein, dafür musste erst 60 (!) Jahre nach Kriegsende ein Grüner dort Chef werden.

  4. Das feine: Einen Kommentar nachdem ich mich beklagt habe, dass im Welt-Artikel die persönlichen Verbindungen des Autoren zum Auswärtigen Amt nicht erwähnt werden, die in diesem Fall ein Interessenkonflikt sind, kommentiert ein Sohn eines im Nationalsozialismus tätigen Diplomaten und kennzeichnet das nur über einen Link auf seine Homepage, wo man das versteckt findet.

  5. Ja Leute, bleibt locker, der Fischer und seine willigen historiker haben doch großen Mist gebaut, das kommt bei Koerfers Diplomatenjagd heraus, habe sein Buch gelesen, anders als ihr; seid keine langweiler …

  6. Ja Leute, bleibt locker, der Fischer und seine willigen historiker haben doch großen Mist gebaut, das kommt bei Koerfers Diplomatenjagd heraus, habe sein Buch gelesen, anders als ihr…, fischer taugt nix, die grünen können nix ?

  7. Herr Wickert, hätten sie Lust, mir das Buch auszuleihen? 25€ sind mir gerade etwas zuviel – ich verspreche, ihnen das Buch am Ende zurückzuschicken und eine ausführliche Rezension zu schreiben.

  8. Moyyyiiin Moritz, leihe Ihnen gerne das Buch aus, so long Lao Lang

  9. Guten Tag hellojed,

    danke für Deinen interessanten „post“ und die überraschend n e u präsentierten Zusammenhänge, welche doch aber gegen Ende Deiner Rezension eher ins Unsachliche abgleiten. Als Student der FU-Berlin habe ich Prof. Koerfer als sachlichen und fundierten Wissenschaftler kennengelernt. Da ich „Diplomatenjagd“ sowie das „Amt“ vor kurzem gelesen habe, kann ich Deine o.g. Unterstellungen nicht teilen, möchte aber um Deinen Horizont zu erweitern Dir mein Exemplar, da Du Daniel Koerfers Buch ja n i c h t gelesen hast, zur Überprüfung Deiner Thesen zur Verfügung stellen.

    Postadresse oder postlagend bzw. abzuholen bei, ist mir alles recht; für die Wissenschaft und die Erkenntnis ist mir kein Weg zu schwer.

    Beste Grüße sendet Sören.

  10. Mooyyyiin Moritz,
    der Kalte Krieg ist bei der Betrachtung der deutschen Nachkriegsgeschichte wichtig und sollte nicht ausgeklammert werden. Die Siegermächte waren bald nach Krieg nicht mehr an einer NS-Vergangenheitsbewältigung interessiert. Die westlichen Alliierten übernahmen z.b. die Organisation Gehlen, ein Geheimdienst voller NSDAP- und SS-Mitglieder, Vorläufer des BND. Sie galten als Fachleute für die Sowjetunion, auf die vor allem die USA nicht verzichten wollten. Beide Seiten, Bonn und PAnkow, erklärten immer wieder, neue Ministerien könnten nicht ohne Fachleute aufgebaut werden. Ich kann das nicht endgültig beurteilen, weil ich keins aufgebaut habe.
    Seit Ende der 1950er Jahre beschuldigten westdeutsche Juristen-Institutionen die DDR, ehemalige NS-Mitlgieder bei dem Aufbau Pankower Ministerien eingestellt zu haben. Die Antwort der DDR war das „Braunbuch“ der DDR (1965, 67,68, 2002), das ca. 1800 NSDAP- und SS-Mitglieder in Wirtschaft und Bonner Ministerien aufführte. Fischers Auswärtige Amts Buch ist nach dem Muster dieses Braunbuchs aufgebaut. Die NAmen der NSDAP Mitglieder im Auswärtigen Amt sind seit 1965 öffentlich bekannt.

  11. hellojed, hast die Koerfer´sche Diplomatenjagd gelesen. Empfehle u.a. Nachwort von Afred Grosser so long Lao lang

  12. Frank Hartmann

    Wer sich – zumindest was die Presse über das Buch angeht – informieren möchte, dem sei der Link auf http://www.diplomatenjagd.com ans Herz gelegt. Dahinter liegt eine facebook-Seite mit – soweit ich das überblicke – allen Presseberichten zum Buch.

  13. ERWIN WICKERT STIFTUNG 2014-08-15
    Vorsitzender: Wolfram Wickert
    Fehrbelliner Str 56, D 10119 Berlin
    Tel: +49-(0)30-65 218 219,
    e-mail: ww@laolang.de

    An den
    Gesamtpersonalrat des Auswärtigen Amts
    Werderscher Markt
    10117 Berlin

    Sehr geehrte Personalräte, Ladies and Gents,

    Die deutsche Historikerzunft hat 2013 E. Conzes These von der „verbrecherischen Organisation der Wilhelmstraße“ auf ihrer Sommertagung in der Ev Akademie von Tutzing widersprochen. Professor Daniel Koerfer wird im kommenden Wintersemester ein Seminar zur „NS-Kontinuitätsthese der Bonner Außenpolitik“ veranstalten. Erste Recherchen, s. Anlage, zeigen auch hier die Zweifelhaftigkeit der Historikerkommission. Ihre These von den Attachés, die mit Ihren vermeintlichen NS-Ideologien die Bonner Nachkriegs-Außenpolitik bestimmt haben sollten, ist ebenfalls mehr als fragwürdig. Hätten diese sog. „Bonner Diplomaten-Nazis“ die Montanunion (1951) gründen, die Verträge des Luxemburger Wiedergutmachungsabkommens mit Israel (1952) aushandeln können? Ausgerechnet mit Israel! Hätten die „Bonner Diplomaten-Nazis“ das Londoner Schuldenabkommens (1953) vorbereiten können? Hätten diese „Diplomaten-Nazis“ nach dem Korea Krieg die Pariser Verträge zum Eintritt der Bundesrepublik in die NATO (1955) entwerfen, die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und zur Gründung von EURATOM (1957) ausarbeiten können, etc. etc.? Hat die Bonner Bundesrepublik die westlichen Alliierten und Israel über Jahrzehnte für dumm verkauft? Haben die Siegermächte die NS-Ideologien der Bonner Diplomaten etwa nicht erkannt? Oder sogar akzeptiert? Die „NS-Kontinuitätsthese der Bonner Außenpolitik“ erscheint an Hand dieser Fragen noch absurder als die von der „verbrecherischen Organisation“. Die Erwin Wickert Stiftung verleiht deshalb Professor Daniel Koerfer, Autor der Studie: „Diplomatenjagd, Joschka Fischers unabhängige Historikerkommission und das Amt“ den Orient- und Okzident-Preis (10.000 €), um ihn bei der Erforschung unbekannter Aspekte der europäischen Diplomatie in diesem und im vergangenen Jahrhundert zu unterstützen.

    Das Auswärtige Amt hat im Vertrag mit seiner sog. „unabhängigen Historikerkommission“ eine „integrierende Gesamtdarstellung“ der AA-Vergangenheit gefordert. Die Kommission klammert aber große Teile der NS-Vergangenheitsbewältigung aus. Das Auswärtige Amt der Berliner Wilhelmstraße zerfiel nämlich nach dem Krieg in die drei Auswärtigen Dienste von Ostberlin, Wien und Bonn. Ost-Berliner Diplomaten haben die Wiedervereinigung in dem Zwei + Vier Vertrag mitverhandelt. Das neue österreichische Auswärtige Amt in Wien wurde bereits kurz vor Ende des Krieges mit zahlreichen „Ehemaligen“ gegründet. Es geriet nicht so sehr in die Schusslinie kommunistischer Propaganda, weil Österreich zwischen den Macht-Blöcken des Kalten Krieges Neutralität bewahrte. Außerdem möchte ich nebenbei darauf hinweisen, was Sie nicht wissen: die Habsburger Kaiser führten u.a. auch den Titel eines Herzogs von Auschwitz. Weshalb klammert Ihre Historikerkommission aber DDR und Österreich aus? Die Personalakten Wiener und Ostberliner Nachkriegsdiplomaten mit NSDAP-Vergangenheit liegen doch ebenfalls heute im Auswärtigen Amt. 25 Jahre nach Mauerfall und Auflösung des Kommunistischen Machtbereichs kann eine „integrierende Gesamtdarstellung“ auf wissenschaftlicher Basis nur die drei unterschiedlichen Arten der NS-Vergangenheitsbewältigung in Ost-Berlin, Wien und Bonn beinhalten. Alles andere führt zur Scharlatanerie.

    Es ist ebenso unverständlich, dass die drei letzten Außenministerchen die Studie Ihrer sog. „unabhängige Historikerkommission“ und den Blessing Verlag fördern, obwohl der Bestseller Millionen € eingespielt hat? Eine Verschwendung von Steuergeldern! Ich werde die Kopie diesen Briefes an die Bundestagsabgeordneten des Haushalts- und Auswärtigen Ausschusses schicken.

    Ich bedaure erneut, dass die Mitglieder des Auswärtigen Amts, – Personalräte inklusive, das Archiv ausgenommen – keinen Mumm in den Wirbeln Ihres Rückgrats gezeigt haben und zur „unabhängigen Historikerkommission“ schweigen. Wer zu spät kommt, den überrumpelt die NS-Vergangenheit.

    Mit freundlichen Grüßen für den Rest der Sommerfrische

    Wolfram Wickert

    Anlage

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