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Anekdoten (2)

Edwin Booth hatte allen Grund, zufrieden mit seinem Leben zu sein. Er war ein gefeierter Theaterschauspieler, wurde als “der beste Hamlet des 19. Jahrhunderts” bezeichnet und war durch sein Auftreten immer und überall beliebt. Irgendwann 1864 oder 1865 stand er auf dem Bahnsteig von Jersey City im Getümmel, als mehrere Reisende auf einmal den Schaffner bestürmten, um die letzten Nachtzugtickets zu kaufen. Ein junger Mann Anfang 20 wurde an den stehenden Zug gedrückt, stolperte und fiel, als der Zug plötzlich losfuhr, in den Zwischenraum zwischen Waggon und Bahnsteig, blieb stecken und konnte sich nicht selbst aus der Lage befreien, die durchaus lebensgefährlich war. Edwin Booth zögerte nicht lange, griff den jungen Mann am Mantelkragen und zog ihn wieder nach oben. Der Gerettete bedankte sich bei dem prominenten Mann und ihre Wege trennten sich wieder.

Der junge Mann war am Karfreitag des Jahres 1865 in der Nähe des Ford’s Theatre und eilte zum Ort des Geschehens, als er die Nachricht bekam, dass dort sein Vater, Abraham Lincoln, angeschossen worden sei. Lincoln erlag am folgenden Morgen seinen Verletzungen, es war das erste erfolgreiche Attentat auf einen US-Präsidenten. Der Mörder floh auf einem Pferd nach Virginia, wo er 12 Tage später von seinen Verfolgern gestellt und erschossen wurde. Der Mörder war Schauspieler, bekannt aber nicht berühmt, er hieß John Wilkes Booth und hatte einen deutlich berühmteren Bruder namens Edwin. Edwin Booth erfuhr erst spät, wen er damals in Jersey City gerettet hatte.

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