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Geschichte für alle

In den letzten Tagen habe ich in meinem Kopf herumargumentiert, ob ich dieses (diesen? Ach Mensch) Blog mehr dem widmen soll, was ich tagsüber so mache. Das ist, abgesehen von ruhmreichen freien Tagen, hauptsächlich das Studium der Geschichte. Ich habe mich dafür entschieden.

Als ich in Bonn meinen Bachelor in der Tasche hatte, interessierte ich mich eigentlich mein Nebenfach, die Musikwissenschaft, mehr. Zwei Gründe haben mich dazu gebracht, den Master in Geschichte zu machen: Die Dame ging zurück nach Heidelberg, wo sie herkommt, und ich wollte mit. Und ich hatte die Gelegenheit in einem Fachbereich zu studieren, der die Elitenförderung des Bundes  bekommt. Exzellenzbereich und so, der ganze Blödsinn. Der dem Institut Geld bringt, und mir dadurch bessere Lernbedingungen. Außerdem, aber das habe ich erst hier gemerkt, ist das Fachverständnis in Heidelberg deutlich moderner als in Bonn, es gibt Sozialgeschichte die ihren Namen verdient, es gibt neue Medien und “Public History”, wozu ich sicher später einmal mehr schreiben werde.

Ich breche jetzt mal ein Tabu: Das erste Mal erwog ich ernsthaft Geschichte zu studieren wegen Guido Knopp. Als ich 14 Jahre alt war, lief im ZDF ein Film namens “Der Dritte Weltkrieg”, der mich erstmals mit einem Fachbereich namens “Counterfactual History”, auf Fachdeutsch “Kontrafaktische Geschichte”, konfrontierte. Die Idee, einen Hebel in der Geschichte umzustellen und dann zu gucken, was sich alles verändert, faszinierte mich.

Vor kurzem habe ich den Film nochmal gesehen, natürlich ist er Mist, wie eigentlich alles, wo Knopp seinen Daumen drauf packt. Aber er hat bei mir ein Interesse geweckt, das vorher schon da war, damals besonders in Sachen Mittelalter. Ritterburgen und so. Findet sicher jeder Junge toll, bei mir hat es gehalten.

Darüber, was Geschichte ist und wozu sie gut ist, haben genug Leute Kluges geschrieben, das ich in Zukunft vielleicht auch mal verlinken will. Für mich ist es eine Mischung aus Er- und Aufklärung. Wie wir und ihr und alle wurden, was, wo und wer wir sind. Ohne dieses Wissen können wir uns nicht mehr Zivilisation nennen, das ist meine feste Überzeugung. Das ist im Fall der Bundesrepublik natürlich immer noch unlösbar mit dem Dritten Reich verbunden. Aber es sind auch simple Dinge, die mich faszinieren. Heute fragte bei reddit ein User, warum auf Nachtsatellitenfotos von den USA der Osten so viel dunkler ist, und das an einer relativ klar definierten Grenze. Die Erklärung recht simpel und weniger geographisch als historisch. Diese Gebiete fielen nämlich erst 1803 und später an die Vereinigten Staaten, so dass sich dort nicht schon früh Siedlungen aufgebaut hatten. Vor der flächendeckenden Einführung der Eisenbahn lohnte es sich nicht, dort größere Farmen aufzubauen, da es keine Abnehmer für Getreide in der Region gab und es nicht in die Metropolen transportiert werden konnte. Und nachdem die Eisenbahn das Land durchschnitt, entstanden Städte im Westen nur um die Gleise. Und so etwas sieht man auf diesen Fotos, und das finde ich spannend. Mehr Beispiele folgen.

Im Jahr 2012 befinde ich mich auf der Zielgeraden meines Studiums und muss ein paar Weichen stellen. Ich muss mir überlegen, wo ich meine Schwerpunkte setze, was mich so sehr interessiert, dass ich gerne fünf Monate und vielleicht noch ein paar Jahre damit zubringen will. Irgendwo in der Neusten bzw. Zeitgeschichte wird es sich sicherlich finden.

Hier werden sich, solange mein Schweinehund mitmacht, Artikel über Themen finden, die mir auffallen. Gerne auch kurze Schnipsel, die ich bei der Lektüre interessant finde. Hoffentlich massentaugliche Zusammenfassungen meiner Hausarbeiten, die ich für unterhaltsam genug halte. Wenn das jemand doof findet, soll er es mir mitteilen, dann überlege ich weiter. Das ist hier eine Ankündigung.

(Ja, ich hänge mit der KaWo hinterher. Weiß nicht, ob mir das Format so liegt, beim Schreiben finde ich es langweilig. Frau @ellebil kann das irgendwie besser. Im Übrigen ist das hier kein Grund, die besten Songs der Welt abzusetzen, die gibt es weiterhin sporadisch)

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6 Kommentare

  1. Ich würde mich sehr darauf freuen. Weiter gute Motivation!

  2. übrigens: auch ich kam durch Guido Knopp zur Geschichte (allerdings durch seine “100 Jahre”). Den ersten Kontakt mit einem im weitesten Sinne “geschichtlichen” Thema hatte ich im Alter von 9 Jahren, als ich zu klein war, den Titanic-Film zu sehen und stattdessen Trilliarden von (Kinder)Sachbüchern verschlungen.

    Nun arbeite ich ja gerade in einem Feld, das sich auf die Fahne geschrieben hat, mehr mit Internet und Geisteswissenschaften zu machen. Ich sehe jetzt deutlich, was in Bonn so alles kaputt ist. Der Verlaufsplan meines MA ist wahnsinnig. [Allerdings munkelt man, dass im Sommer epochenspezifische Master angeboten werden sollen inklusive Transfermodulen aus anderen Fächer (sollte dem so sein, wechsle ich sofort)]

    Und zu deinem Ansinnen: ja, ja, ja! (und sollte dir jemand schreiben, dass das doof ist, dann hör bitte nicht drauf)

  3. Kann mich @ellebil nur anschließen.

  4. ach ja, ich hätte da noch ein paar interessante Links für dich:
    http://dhdhi.hypotheses.org/
    http://www.weblog.hist.net/

    und speziell dann noch mal das hier:
    http://dhdhi.hypotheses.org/591

  5. Christian

    Ich finds natürlich geil. Geschichtlicher Teil meines Studiums in letzter Zeit das beste.

  6. Ich bin via quote.fm bei einem deiner Geschichts-Posts gelandet. Bitte gerne weiter so. Übrigens haben die Artikel nicht nur inhaltlich gefallen, auch dein Stil ist ganz ausgezeichnet und machte das Lesen zur Freude.

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