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Gerade jetzt: Solidarität mit Israel

Man muss Horst Köhler fast nochmal dankbarer für seinen Rücktritt sein. Ohne diesen würde ich schon wieder kotzend durch die Wohnung laufen ob der aktuellen Israel-Berichterstattung.

Vorneweg: Es ist schlimm, wenn Menschen stimmen. Noch furchtbarer, wenn sie durch die Hand anderer Menschen sterben. Was auf der Mavi Marmara geschehen ist, hätte nicht geschehen dürfen. Keine Diskussion.

Dennoch gibt es hier Ursache und Wirkung zu beachten. Deshalb ganz von vorne.

  • Der Staat Israel hat legitime Sicherheitsinteressen. Er hat das Recht, seine Bewohner vor Kassam-Raketen und Selbstmordattentätern zu schützen. Dazu gehört auch die Kontrolle von Schiffen, die Güter nach Gaza liefern. Würden diese Kontrollen eingestellt, würde das ein bis dato unvorstellbares Töten von israelischen Bürgern nach sich ziehen – zu sehen schon im Anschluss an die einseitige Räumung des Gaza-Streifens im Jahr 2005.
  • Natürlich muss der Gaza-Streifen mit Gütern fast aller Art beliefert werden. Niemand darf die Augen davor verschließen, dass in Gaza Armut herrscht. Doch ein Grund dieser Armut ist eindeutig die Hamas. Ihr bewaffneter Kampf ist hauptsächlich schuld daran, dass es in der Region nicht vorwärts geht.

Insofern war es ein Affront, wie der Transport der “Hilfslieferungen” organisiert wurde. Die Hamas jubilierte schon Reisebeginn “Wenn das Schiff Gaza erreicht: Sieg – wenn es von den Zionisten terrorisiert wird: Sieg”. Die Mitgründerin der “Free Gaza”-Bewegung, Greta Berlin, stellte unumwunden fest: “Bei dieser Mission geht es nicht darum, humanitäre Güter zu liefern, es geht darum, Israels Blockade zu brechen”.

Dies zeigte sich auch daran, dass sämtliche Kompromissvorschläge, die den Aktivisten unterbreitet wurden, abgelehnt und ignoriert wurden.

  • Israel bot der Gruppe an, die Schiffe in Aschdod anlegen zu lassen, die Waren zu kontrollieren und dann unter Aufsicht von UNO und Aktivisten in den Gaza-Streifen zu bringen. Reaktion: “Negative, negative”.
  • Noch perfider wurde es, als die Familie des seit vier Jahren von der Hamas festgehaltenen Soldaten Gilad Shalit anbot, sich bei der israelischen Regierung für eine Durchfahrt nach Gaza einzusetzen. Bedingung: Neben den Hilfslieferungen für die Menschen in Gaza müsste auch ein Paket mit Lebensmitteln und Briefen an Shalit mitgenommen werden. Abgelehnt. Warum? Man weiß es nicht.

Ganz offenbar ging es den Free Gaza-Aktivisten nicht um die Hilfsmittel, sondern darum, einen Eklat zu provozieren, bei dem die Israelis als die Bösen dastehen (ausdrücklich nicht: dass sie Todesopfer provozieren wollten). Das ist voll aufgegangen. Israel steht in der Kritik. Vordergründig wegen der amateurhaften Umsetzung der Operation. Aber dahinter steht noch mehr. Allenthalben werden im Internet Berichte und Videos verlinkt, in denen israelische Bürger die Kampfhandlungen bejubeln. Nur wenig liest man von den versuchten Botschaftsstürmungen in zahlreichen gemäßigt islamischen Ländern. Von den Plakaten, auf denen ein neuer Holocaust gefordert wird, ganz zu schweigen. Hemmungslose Idioten gibt es doch auf beiden Seiten.

Dennoch gilt, was immer gilt:

Wenn die Palästinenser die Waffen niederlegen, gibt es Frieden. Wenn Israel die Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr.

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1 Kommentar

  1. Puh, harter Tobak… Ich kann deine Meinung durchaus teilen, man hätte eine Kontrolle durch Israel erlauben müssen. Auch wenn ich persönlich der Meinung bin das Israel durchaus das Recht hat seine Souveränität zu schützen, ist es aber sehr fragwürdig ob die gestrigen Maßnahmen angebracht waren.
    1. Man befand sich immer noch in internationalen Gewässern.
    2. Man hätte die Flotte durchaus am hellichten Tag stoppen können. Die Sache wäre damit sicherlich unblutiger ausgegangen.
    3. Die Blockadehaltung Israels gegenüber der Grundversorgung der Palästinener sorgt international schon seit langem für Proteste. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass man mit dieser Strategie ein einlenken der Palästinenser bewirken wird. Deshalb ist die Aussage “Wenn die Palästinenser die Waffen niederlegen, gibt es Frieden. Wenn Israel die Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr.” sachlich falsch.

    Solidarität gegenüber dem Staat Israel ist ein weiterer Punkt den ich nicht teilen kann. Meine Solidarität gehört immer nur einzelnen Personen und Gruppen, niemals aber einem Staat. Meine Kritk an der Politik Israels ist demnach auch nicht die Kritik am Staat Israels, sondern an der radikalen politischen Führung der dieses Land momentan ausgeliefert ist. In meinen Augen ist Israel zu weit gegangen und hat einen Wechsel seiner Strategie nötig.

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