Blog Blogposts Gemeinfreitag

Gemeinfreitag (5): Reklamekunst

Jupp_Wiertz_KölnJoseph Lambert Wiertz hat eins mit meinem Großvater gemein: Er wurde stets “Jupp” genannt. Da hören die Übereinstimmungen aber schon auf, denn Wiertz war ein bekannter Grafiker, vor allem für Werbeplakate. Dazu gehört beispielsweise das obenstehende Motiv für die Stadt Köln, das nicht nur eine tolle Farbgebung hat (und durch den Dom fast aktuell wirkt), sondern auch den Großstadtcharakter eindrucksvoll einzeichnet – die ins Motiv hineingeschwungene, mindesten acht(!)spurige Straße mit den Leuchttafeln macht Köln zur grafischen Weltmetropole.

Wirtz_ParfumDoch Wiertz konnte auch ganz andere Motive. Darunter wäre zum Beispiel eine Parfümwerbung von 1926, die sehr genau unserem verbreiteten Bild dieser Epoche entspricht. Diese Reklame fiel in die zweite Schaffensperiode, die oben gezeigte Touristikwerbung in die dritte und letzte seiner Tätigkeiten.

Doch auch Ernstes und Politisches betrieb Wiertz: 1918 veröffentlichte er eines seiner bekanntesten Motive, die Werbung für die “Deutsche Frauenhaar-Sammlung”. Weil das Reich zum Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr genug Kamelhaar für die Militärindustrie beschafWirtz_Frauenhaarfen konnte. Auch durch Wiertz’ Werbung begann ein regelrechter Boom der Haarspenden, die zentral gesammelt und weiterverschickt wurden.

Wiertz starb 1939 an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei der Arbeit mit Sprühfarben zugezogen hatte. Seine Werke sind somit gemeinfrei, erst 14 davon finden sich in Wikimedia Commons. Es wird Zeit, mehr zu finden und zu digitalisieren.

Quelle: Wikimedia Commons [Maximale Auflösung: 566*800 Pixel, andere Motive mehr]

Die Reihe „Gemeinfreitag“ stellt jede Woche ein Fundstück aus der Public Domain vor. Ich freue mich, dass nunmehr auch Michael dem Reiz der Gemeinfreiheit verfallen ist.

Flattr this!