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Funde (5): Berlin

Uns grauste vor dieser Kultur, wir versuchten es auf viele Weise, aber außer den Museen war nichts, aber auch garnichts da, das uns die Leiden, die man in einer großen Stadt zu erdulden hat, wert schien.

Ach, und die Berliner Cafes, alle diese Lokale. Ich sah immer und überall nur Spießbürger oder Verrückte, aber trostlos Verrückte, die kein Genie zur Entschuldigung aufzuweisen haben. Ich dachte manchmal, wenn diese Alltagsgesichter in unübersehbarer Reise an uns vorbeizogen: das ist also das Publikum, für das die Maler malen, die Dichter dichten und die Musiker spielen. Aber diese praktischen, abgesetzten und dabei doch so unverschämt selbstzufriedenen Menschen brauchen ja gar keine Künstler… Sie haben alle keine Zeit.

Die Künstlerin Gertel Hagemann, Ehefrau des Porträtmalers Oskar Hagemann, 1917 nach dem Ende ihres nur zwei Jahre währenden Aufenthalts in Berlin – vorher und nachher wohnten die beiden stets auf Dörfern, zuletzt in Karlsruhe.

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1 Kommentar

  1. der Film ist deshalb langweilig, weil die ZDF-Filmmannschaft a)die historischen Quellen nicht kennt, b) damalige Ereignisse unter heutigen Betroffenheits-wissen darstellt.
    Deutschland benötigte Jahre, um nach 1945 das Ausmaß der NS-Herrschaft zu verstehen. Wir haben seit den 1968-ern eine Debatte über die Endlösung geführt. Die NSDAP hat die Endlösung bewusst unter dem Deckmantel des Krieges organisiert. Eine vergleichbare Debatte fehlte in der ersten Nachkriegszeit. Viele Deutsche verstanden das Verwerfliche der NS-Poliitk noch nicht. Sollten Vater, Ehemann, die Söhne etwa umsonst gefallen sein? Das konnte noch nicht jeder bejahen. Auch die Urteile der Nürnberger Prozesse wurden mit dem sich abzeichnenden KALTEN KRIEG etwas milder. Das fehlt alles im Film.
    Erst mit Entstehen der Bundesrepublik änderte sich die Sicht auf das III. Reich mühsam/langsam. Die Kriegsgeneration zog es vor, Zeugnisse/Trümmer in den Städten schnell zu beseitigen und für das Wirtschaftswunder zu arbeiten. Daher die Fragen der 68-er Generation.

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