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Überrest der Woche (2): “An die Eltern unserer neudeutschen Jungen”

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Der vorliegende Rundbrief einer katholischen Jugendgruppe aus Soest stammt laut Kopfzeile vom 2. Januar 1935, einen Tag nach der erwähnten und bis heute viel zitierten Ansprache des Reichsjugendführers Baldur von Schirach.1 Was die Gruppenführung so in Aufruhr versetzte, dass sie nur einen Tag nach der Ansprache und somit am Tag des Abdrucks in den Zeitungen einen solchen Brief verfassten, waren die Äußerungen zum Nebeneinander von völkischer und christlicher Jugendarbeit. Die Hitlerjugend verlangte nämlich zum “Heranzüchten gesunder Körper” im völkischen Staat (Schirach) eine nahezu vollständige Hingabe ihrer Mitglieder. Besagte Doppelmitgliedschaften in Hitlerjugend und katholischen Jungenbünden waren seit Juli 1933 verboten, was über kurz oder lang die konfessionellen Verbände vollständig marginalisiert hätte. Die Gruppenleitung hatte also allen Grund, über die vermeintlich versöhnlichen Töne Baldur von Schirachs erfreut zu sein.

In der Rückschau hingegen wirkt der Brief fast naiv. Er klammert sich an das Reichskonkordat, das im Dritten Reich kaum das Papier wert war, auf dem es unterschrieben wurde. Es hatte lediglich den Nationalsozialisten genutzt, die damit ruhig gestellt wurden, der Kirche aber höchstens eine Gnadenfrist eingeräumt, bis auch ihre Kompetenzen Stück für Stück beschnitten wurden.


Abschrift:

Soest,den 2. Januar 1935

W i c h t i g !

An die Eltern unserer neudeutschen Jungen.

Auch Sie werden mit Interesse und freudiger Genugtuung in der Neujahrsansprache des Reichsjugendführers Baldur von Schirach folgenden Satz gelesen haben: “Jeder Einheit der nationalsocialistischen Jugendverbände wird gestattet,Gäste aufzunehmen,und zwar auch solche Gäste,die anderen Jugendverbänden,auch katholischen angehören.” “Allerdings wird das Verbot der Doppelmitgliedschaft in vollem Umfang aufrechterhalten.”
Das ist etwas Neues,Ungewohntes. Das könnte die erste Friedenstaube sein,die Brücke,die zu einer anderen und von uns erstrebten Lösung der Frage hinführt.Man kann daraus lesen die stillschweigende Anerkennung des Rechts der konfessionellen Verbände auf Sonderdasein und Eigenleben.Ist diese Deutung richtig,dann bringt uns wohl das neue Jahr auch noch mehr:die endgültige, friedliche Festsetzung der Ausführungsbestimmungen zu § 31 des Konkordates Und damit unser Recht,unsere Gleichberechtigung und den Lohn für die Treue.
Nur müssen wir uns vor übereilten Schritten hüten.Darum bitten wir Sie,die Sie durch Ihre Einsicht und Treue der guten Sache bisher so wertvolle Dienste geleistet haben, im einzelnen nichts zu unternehmen,bis
1) nähere Anweisungen der zuständigen Stellen ergehen darüber, wie das Gastverhältnis gestaltet werden soll z.B.über Umfang der Dienstverpflichtung in HJ und JV,über die Kluft etc.
2) vor allem Aesserungen und Anweisungen unserer Führer d.h.der Bischöfe bekannt gemacht werden.
Unsere Parole muss auch für 1935 lauten:Disciplin und Treue!
Es wünscht Ihnen Gottes Segen im neuen Jahr

Die Gruppenführung


 

Bisherige Überreste:

1. Hamburg-Amerika Linie


Die hier vorgestellten Stücke sind nach meinem Dafürhalten nicht oder nicht mehr urheberrechtlich geschützt und können somit frei und von jedermann verwendet werden. Über eine kurze Nachricht bei weiterer Nutzung würde ich mich freuen.

 


  1. Die Ansprache baut übrigens teils, ohne dies offenzulegen, wörtlich auf Hitlers “Mein Kampf” auf 

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1 Kommentar

  1. Kalter Krieg um die deutsche Nachkriegsdiplomatie
    Steuergelder für kommunistische Propaganda?
    Die Professoren Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Mosche Zimmermann der unabhängige Historikerkommisssion von Ex-Außenminister Josef Fischer haben mit ihrer Studie: “Das Amt und die Vergangenheit” umstrittene Thesen aufzustellen versucht, z.B.: das Auswärtige Amt des Dritten Reichs sei “eine verbrecherische Organisation” gewesen oder die wiedereingestellten Attachés, die NSDAP-Mitglieder gewesen waren, hätten im Bonner Auswärtigen Amt weiter ihre NS-Ideologien vertreten.
    Jüngste Forschungsergebnisse deuten jedoch daraufhin, dass Josef Fischers Historiker Ostberliner Kalte-Kriegs-Propaganda aus dem: “Braunbuch. Kriegs- und Nazi-Verbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin”, 1968, kopiert haben. Die DDR erklärte darin, dass: “Neben dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) und der Wehrmacht mit dem OKW als Führungsorgan war das Auswärtige Amt jene Einrichtung, durch die die wichtigsten Aggressionen und Verbrechen des Nazi-Reiches geplant und vorbereitet wurden”.
    Professor Daniel Koerfer hat dem u.a. in seinem Interview mit Frank Schirrmacher, FAS vom 29. 11. 2010 und in seinem Buch: “Diplomatenjagd – Joschka Fischer, seine unabhängige Kommission und das Amt” eindrucksvoll widersprochen. Die deutsche Historikerzunft hat diese Thesen auf ihrer Tagung in der Evangelischen Akademie in Tutzing ebenso widerlegt. Die Erwin Wickert Stiftung vergibt ihren “Orient- und Okzident-Preis” in der Höhe von 10.000 € an Professor Daniel Koerfer/FU-Berlin. Damit ehrt sie nicht nur seine wissenschaftliche Arbeit, sondern regt ihn auch zu neuen Forschungsbeiträgen über unbekannte Aspekte der deutschen Nachkriegsdiplomatie aus gesamtdeutscher Sicht an.

    Auch mit der Behauptung von Historikerkommission und DDR, die Bonner Nachkriegs-diplomaten hätten ihre NS-Ideologien weiter vertreten, ist es nicht weit her. Das NEUE DEUTSCHLAND, Zentralorgan der SED, beantwortete die Bonner Friedensnote vom 22. 2. 1962 zwar mit: “Adenauer und Schröder (CDU) reden genauso wie Hitler und Goebbels. Die alten Nazidplomaten im Bonner Außenministerium haben das Memorandum in Hitlers Sprache abgefasst”. Die Friedensnote war aber mit den Westalliierten abgestimmt. Die Annahme, deutsche Botschafter hätten in der NATO, in Washington, Moskau oder Tel Aviv NS-Ideologien vertreten, stammt aus Absurdistan. Die Professoren versuchen hier, Alliierte und Israeli für dumm zu verkaufen. Korpsgeist und Elitedenken blieben zwar im Bonner Auswärtigen Dienst erhalten, aber nicht die NS-Ideologien. Auf den Ruinen des besiegten und geteilten Deutschlands war Europa und der Welt klar, dass die Ideologie von Faschismus und Nationalsozialismus versagte hatte, so wie man heute weiß, dass seit Auflösung des Sowjetblocks der Kommunismus tot ist.
    Josef Fischers Kommission scheut sich auch nicht, SED-Feindbider über ehemalige NS-Attachés zu übernehmen. So behauptet sie, der spätere NATO-Botschafter Franz Krapf sei an der Botschaft in Tokio (1940-45) an der “Endlösung” beteiligt gewesen. In Japan gab es weder jüdische Gemeinden noch Züge in Konzentrationslager. Der Autor und Botschafter Erwin Wickert soll bei seiner Wiedereinstellung im Jahr 1955 falsche Angaben zu seiner SA-Mitgliedschaft gemacht haben. Wickert war überhaupt kein SA-Mitglied.
    Im Zusammenhang mit der Nachrufaffaire behauptet die Kommission, die “Ehemaligen” hätten mit einem “ehrenden Nachruf” im Amtsblatt des AA ihre “Kollektivunschuld” beweisen wollen. Es gibt weder eine Kollektivschuld noch eine Kollektivunschuld. Nur der Täter kann für einen Mord schuldig gesprochen werden. Wir können jedoch für unsere Vergangenheit Verantwortung tragen.
    Die Einnahmen von Josef Fischers unabhängigen Professoren und vom Verlag waren hoch. Weshalb aber sollte das wiedervereinte Deutschland heute sowohl alte Kalte-Kriegs-Propaganda der DDR als auch lukrative Studien mit Steuermitteln fördern? Beamtenbund, Bundesrechnungshof versagen hier. Ebenfalls ist bedauerlich, dass sowohl Markus Meckel, der letzte Außenminister der DDR, als auch Joachim Gauck und Angela Merkel schweigen. Haben sie die DDR-Schildbürgerstreiche etwa nicht erkannt? Die ausbleibende Reaktion heutiger Diplomaten auf Eckart Conzes Behauptungen von der “verbrecherischen Organisation” oder von der Kontinuitätsthese zeigt, dass Korpsgeist und Elitedenken des preußischen Beamtentums gebrochen ist.
    Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollte die nicht benötigten Steuermittel sowohl von den Kommissionsmitgliedern als auch vom Verlag zurückfordern.

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