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Überrest der Woche (1): Hamburg-Amerika Linie

Nach der überaus freundlichen Resonanz (in Äußerungen und Klickzahlen) auf die in der letzten Woche veröffentlichten Flugblätter des Zweiten Weltkriegs möchte ich daraus gerne eine Reihe machen. Mir liegen aus besagter Kommode wie auch dem reichhaltigen Nachlass meiner Familie viele papierene Überbleibsel aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor, die ich, ob politikhistorisch oder alltagsgeschichtlich, gerne der Reihe nach digitalisiert und mit einigen Anmerkungen und Kontextualisierungsversuchen versehen veröffentlichen möchte.

Hamburg-Amerika-Linie

Den Anfang macht die oben abgebildete Karte von etwa 6 cm Kantenlänge. Sie lag unsortiert in einem Briefumschlag, von dem in kommenden Beiträgen noch die Rede sein wird. Sie dürfte aus dem Hamburger Teil meiner Familie mütterlicherseits stammen, die dort bis heute Schuhgeschäfte betreibt. Es handelt sich um eine Freikarte der “Hamburg-Amerika Linie”, deren voller Name “Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft” lautete – abgekürzt Hapag, 1970 nach einer Firmenfusion zur bis heute bekannten Hapag-Lloyd geworden.

Eine Datierung der Karte fällt schwer. Die übrigen im Umschlag befindlichen Dokumente stammen ausschließlich von 1936, die Hamburg-Amerika Linie war allerdings schon 1935 in die “Bremer Nordatlantikdienst GmbH” aufgegangen.

Tatsächlich zieht die Karte ihren Reiz (für mich) nicht so sehr aus den enthaltenen Fakten, sondern aus den Konnotationen der Zeit – aus der Sensation eines Atlantik-Dampfers und aus der überwältigenden Ferne und Größe Amerikas. Sie reicht teils bis in den heutigen Tag, wo Besuche großer Kreuzfahrtschiffe in Hamburg mit riesigen Zuschauerzahlen und Fernsehübertragungen zelebriert werden.

Eine letzte Anmerkung: Es ist nicht bekannt, welches Schiff hier besichtigt werden sollte. Unter den in die fragliche Zeit passenden Schiffen der Hapag war allerdings auch die “St. Louis”, die traurige Berühmtheit erlangte: Im Mai 1939 stach sie mit 906 jüdischen Flüchtlingen in See, erhielt in der Karibik und den USA keine Anlegeerlaubnis und musste zurück nach Europa fahren. Ungefähr 250 der jüdischen Passagiere starben in den folgenden Jahren im Holocaust.

StLouisHavana

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