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When I wrote my Master’s Thesis (5)

Fertig, vorbei, gedruckt, gebunden, gestempelt, abgegeben: Meine Masterarbeit ist fertig. Die letzte Woche verbrachte ich damit, die Literaturdatenbank von Citavi zu säubern, dem Layout anzupassen, letzte Fußnoten zu aktualisieren, Korrekturvorschläge durchzuarbeiten, einen letzten kleinen Ausblick anzufügen. Es ist, wie es immer ist: Die Schlussphase ist die anstrengendste Zeit. Man hangelt sich nicht mehr an spannenden Quellen und neuen Erkenntnissen entlang, man arbeitet nur noch die To do-Liste ab.

Ich bin zufrieden, soweit ich das mit so wenig Abstand sagen kann. In ein paar Wochen werde ich die Arbeit (hier oder an anderer Stelle) zum Download stellen. Vor vier Wochen sagte mein Zweitgutachter, eine Masterarbeit hätte üblicherweise zwei Leser. So richtig das sein mag, ich habe mittlerweile zwei gute Dutzend Anfragen von Leuten, die gerne mal reinlesen würden. Das ist schön, weil es zeigt, dass auch ein vergleichsweise unpopuläres Thema Interesse wecken kann, wenn der Autor mit genug Enthusiasmus dabei ist und den Entstehungsprozess nach außen trägt.

Die Arbeit hat, mit Genehmigung des Prüfungsamtes, am Ende noch einen neuen Titel bekommen, weil der angemeldete auch als Untertitel verwendet werden kann. Sie heißt nun “Die Möglichkeit einer Lüge”, was einerseits eine kleine Hommage an Michel Houellebecq ist und andererseits eine leicht prosaische, aber gute Zusammenfassung des Titels – meiner Überzeugung nach ist die Entstehung der Holocaustleugnung nämlich keine historische Zwangsläufigkeit, sondern eine Idee, die erst entstehen musste und verschiedene Motive und Auswirkungen für die Zwecke der Leugner innehatte.

Ich hatte noch verschiedene Artikel zur Arbeit geplant, die ich jetzt nicht mehr schreiben werde. Das Thema ist abgeschlossen, mir fehlt die Kraft, noch einmal einzutauchen. Eigentlich wollte ich noch etwas zur Artikelreihe der rechtsextremen Zeitschrift “Die Anklage” schreiben, die ich per Fernleihe erhalten hatte:

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Aber ich kann schlicht nicht mehr. Die Arbeit an solchen menschlichen Abgründen zermürbt, einige dieser Artikel haben mich psychisch stärker angegriffen als es die schon oft wahrgenommenen Berichte über die Konzentrationslager können.

Mir bleibt die bislang unerklärte Frage, warum die frühe Holocaustleugnung von allen Historikern bis auf Elke Mayer ignoriert wird. Verdienstvolle Forscher wie Brigitte Bailer-Galanda und Wolfgang Benz haben eine Vielzahl von Büchern und Artikeln veröffentlicht, aber Leugner wie Hans Grimm, Paul Rassinier und Friedrich Nieland haben sie nicht oder kaum erwähnt.

Es war mir eine Freude, während der Arbeit zu sehen dass die Leserzahlen für meine Master-Artikel, insbesondere dank Anke Gröner, die Auflagenzahlen so mancher Habilitationsschriften übertroffen haben. Ich mache nun Urlaub, und ab Dienstag suche ich mir ein Dissertationsthema, das ich für genau so spannend halte. Und wenn ich dann eines gefunden habe, das auch meinem Doktorvater in spe zusagt, werde ich auch dazu wieder schreiben. Vielleicht kürzer, vielleicht  länger, wahrscheinlich auf de.hypotheses.org, dann wird es hier wieder mehr um digitale und öffentliche Geschichtswissenschaft und auch wieder um andere, fachfremde Dinge gehen. Ihr hört von mir.

Was bisher geschah:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

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