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Die Sache mit dem eBook

Das habe ich vor knapp 2 Stunden getwittert und eine enorme Resonanz erfahren – so viele Favs und Retweets habe ich glaube ich noch nie gekriegt. Ich scheine also einen Nerv getroffen zu haben. Und um ein paar Dinge auszuführen und klarzustellen schreibe ich hier etwas mehr dazu.

Bei dem Buch von dem ich geredet habe handelt es sich um “Popular Justice. A History of Lynching in America”  des Heidelberger Professors Manfred Berg. Das Buch ist im Frühjahr 2011 erschienen, bislang nur auf Englisch. Ob eine deutsche Ausgabe geplant ist entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich habe das Buch bereits vor einigen Monaten in der UB Heidelberg ausgeliehen, habe es aber aufgrund anderer Verpflichtungen nicht geschafft, es mit der genügenden Ruhe zu lesen. In Freistunden habe ich mich einige Male in die Institutsbibliothek gesetzt und im Präsenzexemplar gelesen, aber auch das ist nicht wirklich zielführend. Ich habe überlegt, es mir einfach zu kaufen, aber gebundene Bücher sind an meinen Hauptleseorten (Bett, Bus, Zug) nicht übermäßig praktisch.

Kleiner Zeitsprung: Gestern haben meine Frau und ich uns einen eBook-Reader geleistet. Mein Hauptaugenmerk lag hierbei darauf, elektronisch publizierte Fachzeitschriften und Scans für die Uni lesen zu können, ohne sie jedes Mal ausdrucken zu müssen, was Portemonnaie und Rucksack belastet. Ich habe mir gestern bereits drei Fachbücher für insgesamt 60€ als eBooks gekauft. Ich bin ein guter Kunde, glaube ich. Nun hoffte ich, auch besagtes “Popular Justice” als eBook kaufen zu können. Erste Enttäuschung: Bei Amazon.de ist das Buch zwar gedruckt zu kaufen (für 28,99€), aber nicht als eBook. Amazon bietet mir an, mich per Klick als Interessent einer eBook-Ausgabe einzutragen, aber ich bezweifle dass eine solche Äußerung irgendwo ankommt.

In den USA gibt es “Popular Justice” als eBook. So zum Beispiel bei Barnes & Noble. Es kostet umgerechnet 14,76€, weil die USA keine Buchpreisbindung kennen. Gedruckt kostet es übrigens $35, also fast das Doppelte. Nun kann man darüber streiten, welchen Wertverlust die Virtualität des Buches rechtfertigt, aber ein offenkundiger Unterschied zur deutschen Preisbildung besteht definitiv. Bei Amazon.com gibt es das eBook auch, zum gleichen Preis wie bei Barnes & Noble. Das weiß ich allerdings nur über Umwege, denn das eBook wird mir gar nicht angezeigt, weil ich eine deutsche IP-Adresse habe.

Denn hier kommen wir zum eigentlichen Problem: Ich kann das eBook nirgendwo kaufen. Ich habe sieben eBook-Shops ausprobiert, überall wurde mir spätestens nach Eingabe meiner Kreditkartendaten der Kauf aufgrund regionaler Beschränkungen verwehrt. Um es noch einmal zu sagen: Ich habe sieben Mal versucht, international Geld für ein Buch auszugeben, nachdem es mir in Deutschland ohnehin nicht angeboten wurde.

Und nun kommen wir zum zweiten Problem: Auf der Suche nach einem achten Webstore landete ich auf einer Seite, die zunächst wie ein normaler Onlineshop aussah – auf der das Buch aber mit einem Klick downloadbar war. Ohne weitere Zahlungen, ohne Länderkontrolle, ohne Probleme.

Gabe Newell, Spieledesigner, hat einmal folgendes gesagt: “We think there is a fundamental misconception about piracy. Piracy is almost always a service problem and not a pricing problem. If a pirate offers a product anywhere in the world, 24/7, purchasable from the convenience of your personal computer, and the legal provider says the product is region-locked, will come to your country 3 months after the US release, and can only be purchased at a brick and mortar store, then the pirate’s service is more valuable.” Und hat damit auch für den Buchmarkt den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ich habe kurz überlegt das Buch herunterzuladen und Prof. Berg 20€ anonym ins Fach zu legen. Eine Lösung ist das natürlich nicht, und dem Verlag steht ja auch eine faire Bezahlung für seine Leistungen zu. Bei der weiteren Recherche habe ich gemerkt, was für ein großes Phänomen auch die eBook-Piraterie mittlerweile ist. Dabei gibt es immer die Unverbesserlichen, die einfach für nichts zahlen wollen. Aber ein großer Faktor ist auch die unbeschränkte, immer verfügbare Angebotsvielfalt, die derzeit noch kein legaler Anbieter hinbekommt. Und das nervt mich, und deswegen warte ich jetzt einfach. Ich habe den Interessenten-Link bei Amazon.de angeklickt und hoffe auf Rückmeldung.

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2 Kommentare

  1. Auch Piraten müssen leben. Könntest also die Piraten für die Bereitstellung bezahlen. Ägyptologen forschen ja auch ungeniert an den Kunstdiebstählen des 19. Jhs herum.

  2. Es ist das selbe wie mit Mad Men… und die aktuelle Downton Abbey Staffel habe ich bezahlt, darf sie aber eigentlich nicht schauen, weil ich keinen Wohnsitz in UK habe (gnädiger Weise prüft der iTunes-Store nicht, ob ich gerade wirklich in UK bin oder an der angegebenen Adresse wirklich wohne, Bezahlung geht aber nur mit einem britischen iTunes-Gutschein, deutsche Kreditkarten werden nicht akzeptiert).

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