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Zu Plagiaten und Zitierfehlern

Im fünften Semester schrieb ich meine bis heute beste Hausarbeit. Nicht (nur) nach Noten, sondern auch in der Rückschau, wenn ich selbst noch einmal drüberlese. Es ging um den Film Fight Club, seine Tonspur und die Inszenierung der persönlichen Identität des Erzählers. Irgendwo im Hauptteil entwickelte ich eine Argumentation, in deren Verlauf ich den Audiokommentar des Soundgestalters des Films zitierte, der auf der DVD zu finden war. Ich setzte eine Fußnote, in der ich ordnungsgemäß mit einem “Vgl.” den fremden Gedanken kennzeichnete und das vollständige Zitat in einer eigenen Übersetzung ins Deutsche hinzulieferte. Diese Übersetzung war nahezu wortgleich zu dem halben Satz, den ich oben im Fließtext verwendet hatte, weil beide aus meiner deutschen Sprache entstanden. Dass ich keine Anführungszeichen verwendet hatte, sondern lediglich ein sinngemäßes Zitat belegt hatte, war mein Fehler. Ich hatte ihn schlicht nicht bemerkt.

Meine Professorin ließ mich deswegen natürlich nicht durchfallen, aber sie riet mir eindringlich, auf solche Dinge zu achten – mit bösem Willen hätte diese kurze Textstelle, kaum fünf Worte lang, für ein Nichtbestehen gereicht.

In heutigen Universitätstagen vergeht kein Semester, in dem man nicht eindringlich vor Plagiaten, ob absichtlich oder unabsichtlich, gewarnt wird. Nichtbestehen ist da noch die mildeste Bestrafung, in gravierenden Fällen kann man vielerorts zwangsexmatrikuliert werden, und selbst wenn man bleibt: Eine weitere Beschäftigung als Doktorand kann man sich gerade an kleineren Instituten direkt abschminken.

Beim Abschreiben in wissenschaftlichen Arbeiten geht es nicht darum, persönliche Lerndefizite auszugleichen, wie es in der Schule bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten der Fall ist. Die Hausarbeit, die Abschlussarbeit und die Dissertation sollen, in gewissen Abstufungen, erkennen lassen, dass man nach wissenschaftlichen Maßstäben sauber arbeiten kann, Argumentationen schärft, mit begrenztem Platz erfüllend auskommt und nicht zuletzt die erforderliche Reife besitzt, die idealerweise mit einem Hochschulabschluss einhergehen sollte.

Deswegen sind die aktuellen Vorwürfe gegen Herrn Guttenberg kein Kavaliersdelikt und sie widersprechen nicht “zumindest den wissenschaftlichen Gebräuchen”, wie es die Bild-Zeitung formuliert. Egal wie viele Seiten eine Dissertation hat, wieviele Fußnoten und wie viele Quellenangaben, wer Textstellen übernimmt, der erschleicht sich einen Titel, den er gemäß der Regeln, aber auch gemäß des gesellschaftlichen Anstandes, nicht verdient.

Man muss ja nicht so überkorrekt sein. Jeder Mensch macht Fehler, einer von mir steht am Anfang dieses Textes. Wer Jahre an einer Arbeit schreibt, vergisst vielleicht am Ende auch mal eine korrekte Seitenzahl. In der Dissertation eines mittlerweile sehr renommierten Geschichtsprofessors fand ich einmal einen Verweis auf eine Ausgabe des Völkischen Beobachters, die schlicht nicht existiert. So etwas passiert. Was nicht passieren darf ist, dass man ganze Textabschnitte eines journalistischen Artikels als eigenen Text ausgibt und ihn an den Anfang eines Kapitels setzt, nicht umrahmt von Eigenleistungen. Wer an seiner Dissertation sitzt, der sollte die Tastenkombination Strg+V in der Diss.doc tunlichst vermeiden.

Es geht hierbei nicht darum, dass der fremde Gedanke im Text auftaucht. Heutzutage sind wissenschaftliche Schriften im Wesentlichen Synthesen anderer Texte, im besten Fall mit eigenen Thesen und Gedanken angereichert und mit interessanten Ergebnissen am Ende doch alleinegestellt. Wer glaubt, grundsätzlich neues und nur neues zu schreiben, soll zu den Romanautoren gehen, und selbst dort wird es für ihn unmöglich. Es geht um die Aufrichtigkeit, diese Gedanken, die man aufgenommen und für sich verarbeitet hat, zu kennzeichnen, in einer kohärenten, für den Leser nachvollziehbaren Weise.

Wer das nicht hinbekommt, der darf keinen Titel tragen.

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2 Kommentare

  1. Dem kann ich mich nur anschließen!

  2. Empörter Willi

    wahr ja mal wieder klar, das hellojed wieder ins linksfaschistische horn der neider stößt und im dreck wühlt bis sich was findet um herrn guzuttenberg zu diskrid.. deskridi.., äh, schlecht zu reden. pfui! eine schande! ich kündige mein abonnement ihrer zeitschrift und spende das geld an til schweiger.

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